Aus Alexandras Bücherschrank (2)

Die Großmutter von Bozena Nemcová 

Schutzumschlag der deutschen Ausgabe von „Babicka“ des Verlages Albatros Praha

Worum geht es: Ohne jemals sentimental zu werden, schildert die in Wien geborene tschechische Autorin Božena Němcová (1820–1862) nicht nur die ländlichen Bräuche und Sitten Böhmens und Altösterreichs, sondern auch jene Menschen, die in ihrer Kindheit das Leben im Waldtal der Aupa bestimmten: Pfarrer, Lehrer, Mägde, Knechte, Müller, Förster u. a.
Im Mittelpunkt der am Fuße des Riesengebirges angesiedelten Handlung steht – eine Großmutter. Diese verkörpert durch schlichte Weisheit, Güte und Liebe ein Idealbild mütterlicher Fürsorge. Der Vater der in ländlicher Idylle lebenden Familie Prosek muß aus beruflichen Gründen lange Zeit des Jahres in der Kaiserstadt Wien verbringen. So wird die Großmutter ins Haus geholt, um die Kinder und das Anwesen zu versorgen. Vor diesem Hintergrund entwickelt die Autorin das bedeutendste Prosawerk der tschechischen Literatur und zeichnet „. eine der schönsten Frauengestalten der Weltliteratur“ (Kindlers Neues Literaturlexikon).

Informationen über die Autorin: https://de.wikipedia.org/wiki/Bo%C5%BEena_N%C4%9Bmcov%C3%A1

Illustration von Adolf Kaspar im Buch des Verlages Albatros Praha

Leseprobe „Altes Haus und neues Glück“:

Alexandra sah nach den Hühnern und versorgte den Kater, der misstrauisch nach dem fremden Besuch schielte. Der hatte es sich inzwischen, ganz der Schriftsteller, der er war, vor dem Bücherregal im oberen Stockwerk bequem gemacht. Weil er die Aufforderung, sich umzusehen, wörtlich genommen hatte, war er zuerst einmal durchs Haus gewandert. Die Bücher hatten ihn magisch angezogen.

Als Alexandra mit zwei Gläsern und der geöffneten Flasche nach oben kam, war er begeistert von der Auswahl an Literatur, die er hier entdeckt hatte. »Wissen Sie, was Sie hier haben?«, fragte er entzückt. »Da sind ja ganz alte Schinken, die ich schon etliche Jahre nirgendwo mehr gesehen habe. Die Großmutter von Nemcova, Sigismund Rüstig …«

 Da Alexandra grinste, brach er ab. »Entschuldigung. Natürlich wissen Sie, was Sie hier haben, schließlich sind es ja Ihre Bücher. Aber ich habe die Werke als Kind gelesen. Eigentlich sind sie gar nichts Besonderes. Keine Weltliteratur oder irgendwie einzigartig. Manche würden sie sogar als Kitsch bezeichnen. Aber ich liebte diese Geschichten. Und sie sind der Grund dafür, dass ich Schriftsteller geworden bin.« Er schwieg, nahm das Glas Wein entgegen und stieß mit Alexandra an. »Ich bin Christian. Wir sollten uns duzen, wenn wir schon den gleichen Literaturgeschmack haben.«

Er zog ›die Großmutter‹ aus dem Regal und strich beinahe zärtlich über den abgestoßenen Einband. »Das hier fällt vielleicht nicht gerade unter Kitsch. Bozena Nemcova ist mit diesem Roman ein großartiges Sittengemälde ihrer Zeit gelungen. Allerdings ist es stark idealisiert. Das Werk ist in über dreißig Sprachen übersetzt worden und man hat es mehrmals verfilmt. Die gute Bozena hat kein glückliches Leben gehabt. Sie hatte finanzielle Probleme, war unglücklich verheiratet, ihr Mann soll sie geschlagen haben. Trotzdem hat sie unermüdlich geschrieben und die tschechische Sprache damit salonfähig gemacht.« Er hob seinen Blick, vermutlich, um zu sehen, ob Alexandra sich langweilte.

Doch sie nickte beruhigend. »Nur weiter, das ist wirklich interessant.«

»Sie war so etwas wie die Brüder Grimm für die Tschechen. Unter der Überschrift ›das goldene Spinnrad‹ hat sie viele Märchen gesammelt und für die Nachwelt erhalten. Tschechische und Slowakische, das war auch relativ ungewöhnlich, weil die Tschechen irgendwie immer auf die Slowaken herabgesehen haben.« Er grinste. » Alle Mädchen mögen ›Drei Haselnüsse für Aschenbrödel‹, du doch sicher auch?«

Sie schenkte Wein in die Gläser und nickte, er grinste noch breiter. »Die Geschichte haben wir ihr auch zu verdanken.« Dann seufzte er theatralisch und nahm einen großen Schluck aus seinem Weinglas. »Leider ist es ihr wie vielen Künstlern ergangen. Sie starb mittellos, verarmt und einsam. So wird es mir auch einmal ergehen.«

Alexandra lachte herzlich über seinen gespielt unglücklichen Blick. So kannte sie ihren Chef noch gar nicht. Der Christian Meier von heute Abend war ihr richtig sympathisch. Als sie ihn fragen wollte, woher er das alles kenne, da fiel ihr ein, dass er ja ein bekannter Bestsellerautor war. Wenn einer über Literatur Bescheid wusste, dann er.

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Aus Alexandras Bücherschrank (1):

Vom Kochen & Leben in märkischen Gutshäusern: Zu Gast bei Familie Gans zu Putlitz

Alexandra liebt dieses Buch und kocht viele der Gerichte daraus nach. Außerdem findet sie die Geschichten, die das Leben in der Prignitz, während einer längst vergangenen Epoche beschreiben, total interessant.

https://www.amazon.de/Vom-Kochen-Leben-m%C3%A4rkischen-Gutsh%C3%A4usern/dp/3939629391/

Im Buch „Halbes Haus und ganzes Glück“ (erscheint im Juli 2019) überredet Alexandra ihre Freundin Katja, mit ihr nach Pritzwalk zu fahren, um sich ihr Exemplar signieren zu lassen.

P.S. Allerdings weiß der Autor nichts davon, dass er in meinen Büchern erwähnt wird. 🙂
Schließlich handelt es sich hier bloß um „Trivialliteratur“, wie die ach so aufgeklärten, erwachsenen Kinder meiner Freundinnen meinen.

Reale Orte: Das Königsgrab bei Seddin

Katja und Alexandra machen gemeinsam einen Ausflug zum Königsgrab nach Seddin:

Leseprobe: Altes Haus und neues Glück

Weil Katja in der Woche arbeiten musste, schwangen sie sich an einem schönen, warmen Samstag schon früh auf ihre Räder und fuhren nach Seddin. Natürlich hatte Alexandra in ihrem Reiseführern vom dortigen Königsgrab gelesen. Die Sage vom Riesenkönig Hinze, der in einem dreifachen Sarg dort begraben liegen sollte, die hatte sie auch in Arthurs kleinem Büchlein gefunden. Darum war sie recht neugierig auf diesen Ort.

Die ganze Anlage bestand nicht nur aus einem großen Grabhügel mit der geöffneten steinernen Grabkammer, sondern etlichen weiteren Bestattungsplätzen, die sich rundum befanden. Besonders faszinierend fanden die beiden Frauen die Steingrubenreihe, von der bisher noch nicht bekannt war, wozu sie wirklich gedient hatte. Obwohl das Königsgrab als die bedeutendste Grabanlage des 9. Jh. vor Christus im nördlichen Mitteleuropa galt, wurde der Ort nur verhältnismäßig wenig von den Touristen beachtet. Alexandra und Katja freuten sich, dass sie an diesem Tag die einzigen Besucher waren. So konnten sie die Stimmung der Landschaft ganz auf sich wirken lassen. Es schien etwas in der Luft zu liegen, dass eine eigenartige Faszination erzeugte. Sie setzten sich unweit des großen Hügels auf die Wiese und erzählten sich leise, was sie sonst lieber verschwiegen. Die aufgestellten Bänke ließen sie links liegen, denn es war viel schöner im Gras zu sitzen und mit den Halmen zu spielen.

Über dem Land lag wie eine unsichtbare Decke ein Hauch von Stille und Schwermut. Die Steinmännchen, die ehemalige Besucher wohl als Huldigung an die alten Götter aufgeschichtet hatten, schienen wie Wächter einer vergangenen Zeit zu sein. Grillen zirpten im Gras und ein einsamer Rabe mit blauschwarzem Gefieder ließ sich ganz in der Nähe auf einem Baumstumpf nieder, um die Frauen genauer zu betrachten. Er hielt den Kopf schief und machte den Eindruck, als ob er lauschte.

Katja berichtete von ihrem unsteten Leben und wie sie zu Edelgard gekommen war. Alexandra erzählte die Geschichte mit Thomas. Dann war sie versucht, ihrer neuen Freundin zu beichten, dass sie eigentlich ihr Haus so schnell wie möglich wieder verkaufen wollte. Gerade als sie sich dazu entschlossen hatte, tauchte eine Gruppe lärmender Wanderer auf. Die laute Schar störte den Zauber des Ortes und zerriss die Magie, die eben noch geherrscht hatte. Die Steinmännchen waren nunmehr nichts weiter als aufeinandergeschichtete Steine, die man zu Ärger der Archäologen aus falsch verstandenem Geschichtsbewusstsein aufgestapelt hatte. Der Rabe war davon geflogen.

Informationen über diesen magischen Ort findet Ihr auf:

Reale Orte: Rosenhaus und Kräutergarten

Auch wenn Kuhfahl ein erfundenes Dorf ist, so gibt es doch eine ganze Menge an Orten im Roman, die man wirklich in der Prignitz findet.

Einer davon ist das Kloster Heiligengrabe mit seinem Rosenhaus (welches für das Titelbild herhalten „musste“) und dem Kräutergarten. Dieser Ort ist auf alle Fälle einen Besuch wert.

Leseprobe: Altes Haus und neues Glück

Seine Erwartungen erfüllten sich tatsächlich. Und auch die Bilder, die Alexandra online bestaunt hatte, trogen nicht. Das Kloster zum Heiligengrabe war ein echtes Schmuckstück. Beide fühlten sich beim Bummeln über das Gelände seltsam entspannt und sorglos. Es war so, als wären sie mit dem Betreten des Klostergeländes in eine andere Welt eingetaucht. Die ganze Anlage schien Ruhe und Frieden auszuströmen. Während sie über die gepflegten Wege schlenderten und die schmucken Häuschen bewunderten, plauderten sie über Gott und die Welt. Eine lockere Vertrautheit wuchs zwischen ihnen und sie stellten erneut fest, dass sie über dieselben Dinge lachten. Eigentlich wollten sie sich nur kurz einmal den Park und die zum Kloster gehörende Ausstellung ansehen, aber sie verspürten keine Lust ihren Weg, wie geplant in die nächste Stadt fortzusetzen.

Dafür kehrten sie in der Gaststätte Klosterhof ein und setzten ihr Plauderstündchen bei Kaffee und Kuchen fort. Selbst als sie satt und rundum zufrieden waren, konnten sie sich nicht zum Aufbruch entschließen. Stattdessen setzen sie sich auf die große Holzbank im Kräutergarten und erzählten sich Geschichten aus ihrer Kindheit. Allerdings hatten sie in all den Stunden, die sie hier verbrachten, stets das Thema Beziehungen ausgespart. Sie sprachen weder von ihren früheren Liebschaften noch von dem Abend, an dem sie sich näher gekommen waren.

Die traute Zweisamkeit, die trotz des Aussparens dieses scheinbar brisanten Themas, entstanden war, wurde plötzlich durch eine Gruppe Besucher unterbrochen. Diese schienen einen Kräuterkurs abzuhalten. Unter Führung einer resoluten Dame fielen die Teilnehmer begeistert über die Beete her und kosteten von nahezu allen vorhandenen Pflanzen. Weil die vertrauliche Stimmung nun mit einem Schlag gestört war, machten sich Alexandra und Christian dann doch endlich auf den Heimweg. Im Auto schwiegen sie beide und musterten sich nur mir verstohlenen Blicken, wenn sie sich vom anderen unbeobachtet fühlten. Zurück im Dorf, stellten sie fest, dass es schon recht spät war. Petra und Ulf hatten bereits Feierabend gemacht. Christian erbot sich Alexandra zu fahren, aber sie wollte lieber nach Hause laufen.

P.S. Leider sucht die Gaststätte Klosterhof derzeit wohl einen neuen Pächter. Kaffee und Kuchen bekommt man dafür auch im KLOSTERLADEN.

Direkt zur Homepage des Klosters

Manchmal ist das Leben ziemlich gemein

Alexandra wollte mit ihrer großen Liebe Thomas aufs Land ziehen. Doch der bricht einen Streit vom Zaun und haut ab. Nun sitzt sie, die Großstadtpflanze aus Berlin, ganz allein in einer ziemlich verlassenen Gegend in einem Häuschen, das ihr gehört und das sie hasst. Sie hat kein Geld, keinen Job mehr, und will das Haus schnell wieder loswerden. Aber das ist blauäugig gedacht. Während Alexandras Leben auf den Kopf gestellt wird, begegnen ihr der Bauer Arthur, Kater Jack, ein Dorfskandal und ein ziemlich charismatischer Schriftsteller. Und dann wird die Sache erst richtig kompliziert.